Unser Abend mit der AfD — Aus der Sicht von zwei Jugendlichen

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Dieses Thema enthält 0 Antworten und 1 Teilnehmer. Es wurde zuletzt aktualisiert von  Nimra | SBY vor 2 Monate, 3 Wochen.

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    Nimra | SBY
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    Am 9. April 2019 fand eine öffentliche Vorstellung der AfD-Mitglieder im Bürgersaal Naunhof statt. Von Freunden erfuhren wir, dass diese einen spontanen Protest gegen die AfD geplant haben, weshalb wir dort vorbeischauen wollten. Als wir ankamen, standen knapp 13 Jugendliche vor dem Bürgersaal mit zwei Plakaten, hörten Musik und riefen Antifa Parolen. Im selben Moment kamen zwei Polizeiautos, davon ein Transporter mit je zwei Polizisten. Im Laufe der Zeit kamen noch zwei weitere Autos hinzu, was in unseren Augen übertrieben war, da die Jugendlichen friedlich protestierten. Nun wollten wir uns selbst ein Bild von den AfD-Mitgliedern machen – ohne Vorurteile oder Hintergedanken. Bevor wir in den Saal hineingelassen wurden, stand eine Aufsichtsperson vor der Tür, um unsere Taschen zu kontrollieren. Er tat dies um zu überprüfen, ob wir ‚Gegenstände zum Werfen oder Flaschen dabei hätten‘ (seine Worte). Wir wurden ermahnt, dass es uns nicht erlaubt sei, dazwischenzurufen. Im Saal angekommen, fand schon eine hitzige Diskussion statt, darüber berichtete ein Freund von uns, welcher von Anfang bis Ende dabei war. Es ging darum, dass die Jugendlichen nichts für die Politik machen würden, womit ein AfD-Mitglied meinte, dass wir nichts für die AfD tun würden. Danach stellte sich ein anderes Mitglied der AfD (hier R.) vor, welcher sehr darauf plädierte, dass er seit 66 Jahren gebürtiger Naunhofer, ohne Unterbrechung (!!!), ist. Daraufhin wurde er gefragt, warum er dies so genau betont. Er und ein paar Anhänger antworteten mit „Ich bin stolz Naunhofer zu sein!“ Die Menge klatschte begeistert und sie riefen „NAUNHOOOF!“. Er erzählte davon, dass er durch seine langwierigen Erfahrungen (66 Jahre) zu seiner jetzigen politischen Meinung gekommen ist. Deshalb warf ein Jugendlicher die Frage auf, worin diese Erfahrungen bestanden. Seine Antwort war: „Ich war schon in Amerika, Griechenland und in der Türkei, dort habe ich genügend Eindrücke gesammelt“. Zudem meinte er noch, dass wir seine Politik erst verstehen können, wenn wir 66 Jahre Lebenserfahrung gesammelt haben und er hofft und weiß, dass sich unsere politische Meinung noch ändern wird. Anschließend stellte sich eines der letzten Mitglieder vor, dieser wollte die Kitas und Grundschulen in der Umgebung ausbauen. Jedoch kamen die Mitglieder wieder schnell auf das Thema „Flüchtlinge“. Sie waren der Meinung, dass ausländische Personen, nicht dazu gewillt wären zu arbeiten. Zudem „leben sie auf unseren Steuern und essen unsere Nahrung weg“. Dies war eine komplette Pauschalisierung, was von den Jugendlichen angemerkt worden ist, da diese Freunde besitzen, die ausländische Freunde besitzen, die eine Ausbildung anfangen oder schon eine Arbeit haben. R. meinte, er hätte schon mit vielen Ausländern geredet, die zu ihm meinten, dass sie nicht arbeiten wollen (Er befragte voraussichtlich 4 Menschen…). Ein Mitglied der AfD warf ein, dass wir, die Jugendlichen, die AfD nicht pauschalisieren sollen (was wir nie gemacht haben), da diese ja Flüchtlinge aufnehmen wollen, jedoch nur qualifizierte. Der Rest soll in ihrem Vaterland bleiben. Komplett aus dem Zusammenhang gerissen, unterbrach ein Mitglied die Rede, um das Gesagte zusammenzufassen. Er war der Meinung, dass wir Jugendlichen offen sind und es in unseren Augen nur uns und die Welt gibt. Dabei vergessen wir aber unser Volk, insbesondere die ältere und ärmere Generation, da diese Angst bekommen würden, wenn Flüchtlinge die Arbeit als Krankenpfleger annehmen und die alten Menschen betreuen würden. Somit besitzen wir Jugendlichen keine Solidarität, da wir nicht an unser Volk denken. Zudem sagte er noch, dass Deutschland wieder ein Volk sein sollte, denn irgendwann gibt es nur noch Albaner und Türken und Deutschland würde seine Identität verlieren. Seine Worte ergaben keinen Sinn, da dies nichts mit Solidarität zu tun hat und seine Zukunftsvorstellungen irrsinnig klangen. Danach merkte jemand aus dem Publikum an, dass ihre Reden sich nicht um die kommunale Ebene handelten, sondern nur über Flüchtlinge und um die Verhöhnung von uns Jugendlichen. Deshalb stellte er eine Frage über die Agrargenossenschaft Pötzschau an den AfD Stellvertreter. Es war eine ja-nein-Frage, jedoch schweifte er vom Thema ab und beantwortete die Frage nicht konkret. Danach mussten wir gehen, jedoch berichtete unser Freund uns, über das weitere Vorgehen der AfD. Weiterhin ging es um die bekannte „Lügenpresse“, die zu den Europawahlen falsche Aussagen treffen werden würden. Jedoch verbreiten sie selbst Lügen, da sie behaupteten, dass die Schüler des Brandiser Gymnasiums nicht zu „Fridays for Future“ gegangen sind, da sie kein Interesse dafür hegen, sondern sich nur damit aufspielen wollten. Jedoch haben wir Freunde von dieser Schule, welche uns bestätigten, dass sie aus eigenem Interesse hingegangen sind. Am Schluss wollte unser Freund noch drei Fragen stellen, die von der Verbesserung der Stadt Naunhof handeln sollten. Jedoch wurde er des Öfteren unterbrochen, kam nicht zu Wort und wurde anschließend herausgeschmissen, da er sich darüber aufregte, dass er seine Fragen nicht stellen konnte. Vor der Tür wollte er sich bei dem Sekretär der AfD entschuldigen und reichte ihm die Hand, doch dieser verschränkte die Arme hinter seinem Rücken und grinste herablassend.
    Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die AfD-Mitglieder uns Jugendliche höhnisch behandelten, uns nicht zuhörten und unsere Fragen nicht direkt beantworteten, sondern nur drumherum geredet haben. Sie zollten uns keinen Respekt, obwohl sie von uns welchen erwartet haben. Wir wurden des Öfteren bei Meinungsäußerungen und Fragen ausgelacht und niedergemacht. Für sie waren wir nicht die nächste Wählergeneration, sondern nur verwirrte Jugendliche, die keine 66 Jahre Lebenserfahrung besitzen, weshalb sie die Politik der AfD noch nicht verstehen können. Im Saal herrschte ein Klischee von Männern über 40 und wenigen Frauen, die bei jedem noch so sinnlosen Satz der AfD grölten und johlten. Doch die AfD betrieb nur Populismus, Manipulation und Propaganda, um die Menge gegen uns und die Ausländer aufzuhetzen. Inhaltlich sprachen sie nicht über die Verbesserung Naunhofs, sondern lieber über die „bösen Flüchtlinge“, sowie dass der Handwerkliche Beruf ausstirbt, da die jetzige Generation lieber studieren möchte. Wir wollten uns eigentlich bloß informieren, doch uns wurde mehrmals der Mund verboten und wir dürfen erst mitreden, wenn wir genügend Erfahrung besitzen.

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